TOBIAS MORETTI

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Interview Gregor Bloéb (TT.com)

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Gregor Bloéb: „Wir sind die Versuchskaninchen“

Gregor Bloéb leidet unter den strengen Corona-Auflagen bei den Proben für den „Jedermann“ in Salzburg. Die jüngste Entwicklung bei den Volksschauspielen in Telfs sieht der Tiroler Schauspieler kritisch.

Salzburg – Am 1. August startet mit dem „Jedermann“ das 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele. Das groß angelegte Programm des Jubeljahrs 2020 musste wegen der Corona-Pandemie erheblich gekürzt werden. Der „Jedermann“ auf dem Domplatz ist als traditioneller Fixpunkt und Publikumsmagnet (14 Vorstellungen) heuer wichtiger denn je. Tirol ist in dieser Produktion zweifach vertreten: Tobias Moretti (61) gibt zum vierten und letzten Mal seit 2017 die Titelrolle des Jedermann, heuer mit Burgschauspielerin Caroline Peters als Buhlschaft. Morettis jüngerer Bruder Gregor Bloéb (52) ist wie im Vorjahr als Jedermanns guter Gesell sowie als Teufel aufgeboten. Die Nervosität in Salzburg ist unter den Vorzeichen von Corona größer als in einem normalen Jahr, wie Gregor Bloéb der TT per E-Mail berichtet.

Was bedeutet Corona für die Arbeit am „Jedermann“, werden die Schauspieler auf das Virus getestet?

Gregor Bloéb: Wir werden nicht nur permanent getestet, sondern haben extrem strenge Auflagen, die von mir eigentlich nur aus Solidarität zu den Salzburger Festspielen und den damit verbundenen vielen Arbeitsplätzen akzeptiert werden.Was müssen Sie alles tun bzw. lassen?Bloéb: Mit meinem Beruf haben diese Auflagen wenig zu tun: Niemand darf mir näher kommen als zwei Meter. Ich darf nach der Vorstellung nichts trinken gehen, weil die Angst vor Selfiejägern, die mir zu nahe kommen, zu groß ist. Ich muss ein Tagebuch darüber führen, mit wem ich außerhalb der „roten Gruppe“, das sind die so genannten systemrelevanten Menschen der Produktion, länger als zehn Minuten Kontakt habe.

Sie wirken einigermaßen aufgebracht.

Bloéb: Für mich als Menschenliebhaber und als Menschendarsteller ist das eine nahezu unerträgliche Situation. Ich reiß’ mir gerade eine mordsmäßige Depression auf, weil ich Nähe und Berührung als tief menschliches Bedürfnis empfinde, die Experten dies aber für inhuman halten.Wie haben Sie die Monate des Corona-Lockdowns im Frühjahr erlebt?Bloéb: Wir waren zu neunt in Quarantäne daheim in Tirol. Es war eigentlich eine extrem schöne Zeit. Wir arbeiteten alle gemeinsam im Garten, im Haus oder für die Schule. Mein Kleinster rief immer: „Ich liebe Corona!“ Die Kinder haben es genossen, dass alle zu Hause waren und jeden Tag etwas Besonderes kochten und dass Spieleabende veranstaltet wurden. Der Schulstress fiel vollkommen weg. Wir gingen spät zu Bett, standen spät auf und trugen tagelang Pyjamas. Die Welt stand still. Herrlich.

Wie kamen Sie finanziell über die Runden?

Bloéb: Ich musste und konnte zum Glück von meinem Ersparten leben. Ich hatte keinerlei Anspruch auf Arbeitslosengeld, obwohl ich seit über 30 Jahren in diese „Versicherung“ einzahle und sie noch nie in Anspruch genommen habe.Mit welcher Begründung wurde Ihr Antrag auf Arbeitslosenunterstützung abgelehnt?Bloéb: Nachdem ich durch den Lockdown quasi ein Arbeitsverbot auferlegt bekommen hatte, keine Vorstellungen mehr am Hamburger Schauspielhaus spielen durfte und ein Film auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, klopfte ich beim AMS an. Die sind wahnsinnig freundlich gewesen, haben mir aber erklärt: Auch wenn ich für eine Film- oder Theaterproduktion angestellt war, habe ich doch durch meine selbstständigen Einkünfte, wenn sie über 460 Euro im Monat betragen, keinerlei Anrecht auf Arbeitslosengeld. Das ist schon ein bisschen ungerecht, zumal ich als Vater von vier Kindern etwas mehr als 460 Euro im Monat verdienen sollte. Ich will jetzt aber wirklich nicht auf hohem Niveau jammern, ich bin eh schon in der Depression – nächste Frage.

Wann rechnen Sie damit, dass im Kulturbetrieb wieder so etwas wie Normalität einkehren wird?

Bloéb: Veranstaltungen, Konzerte und Theater wird es erst wieder geben, wenn man das Virus im Griff zu haben glaubt oder eine andere Einstellung zu dieser Krankheit herrscht. Niemand kann sich auf längere Zeit ein zwangshalbvolles Haus finanziell leisten, geschweige denn das Risiko einer möglichen Ansteckung ausschließen. Wir sind jetzt mit dem „Jedermann“ so etwas wie die Versuchskaninchen, aber dieses Salzburger Sicherheitskonzept kann man unmöglich für kleinere Häuser wie das Treibhaus in Innsbruck oder das Rabenhoftheater in Wien umsetzen. Die freie Szene wird es extrem treffen. Und auch all die kleineren Gemeinden, die immer viel für die Kultur getan haben, werden sich das nicht leisten können.

Sie haben sich als Intendant für die Tiroler Volksschauspiele in Telfs beworben und galten als Favorit der Tiroler Landesregierung. Neuer Intendant wurde aber der Deutsche Christoph Nix, der das Theater in Konstanz geleitet hat. Ihr Resümee?

Bloéb: Richtigerweise müssten Sie ergänzen, dass mich die Telfer Volksschauspiele zwei Jahre lang umworben hatten. Tja, was soll ich dazu sagen? Nachdem nun alle österreichischen Landestheater deutsche IntendantInnen haben, hat sich Telfs vielleicht gedacht, wir brauchen auch ein Kleinstadttheater. Ich weiß es nicht, aber mit Tiroler Volksschauspielen hat das alles nichts mehr zu tun.

Felix Mitterer ist im Streit mit der neuen Führung auf Distanz zu den Volksschauspielen gegangen.

Bloéb: Ich kenne keinen liebenswürdigeren Menschen als Felix Mitterer. Er ist einer, der für die Laienbühne in Hintertupfing mit dem gleichen Enthusiasmus Stücke schreibt wie für die größten Bühnen. Einer, der nie auf seinen Vorteil achtet, sondern immer nur auf die Menschen, die Schauspieler, das Publikum. Wenn man sich’s mit dem Felix vertut, dann heißt das wirklich was, das muss man erst einmal zusammenbringen.

Danke für die Zeit und das Interview trotz der angespannten Lage bei den Proben in Salzburg.

Bloéb: Gerne geschehen! Und haltet uns bitte die Daumen, dass alles klappt. Wir reißen uns hier in Salzburg wirklich zusammen für euch. Ich habe gehört, dass ab 2. August ein paar Vorstellungen des „Jedermann“ abends im Innsbrucker Dom übertragen werden. Geht hin, genießt es und beklatscht uns. Wir spielen für euch. Herzgruß!

Das Gespräch führte Markus Schramek
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