TOBIAS MORETTI

TOBIAS MORETTI

Gipsy Queen ab 25/06/20 in Deutsche Kinos

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Hier der Trailer :



Bericht ttt. ARD
https://www.facebook.com/TobiasMoretti.fr.at/videos/634504927161524/

Artikel :
https://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/deutschland-welt-kultur_artikel,-gut-bis-zur-letzten-runde-_arid,1918445.html?fbclid=IwAR0uZdbyAI8dl4IHhGX1MJxWapdzwOgXhevULaU7urI7BLx8y25vyVQFBUQ?


Gut bis zur letzten Rundevon Claudia Nitsche 15.06.2020 

Große Emotionen und harte Schläge: „Gipsy Queen“ ist nicht zimperlich, entdeckt hier und da einen gewissen Hang zum Pathos. Aber wie sollte es auch anders sein bei einem tollen Boxfilm?Komisch, dass Boxfilme die Gabe haben, die Zuschauer besonders zu berühren, obwohl sie doch eher auf Verdreschen und gebrochene Nasen abzielen müssten. „Southpaw“ oder „The Fighter“ gingen ans Herz, und seit „Girlfight“ und in der Folge „Million Dollar Baby“ ist klar, dass auch Frauen den Boxring beherrschen. In diesem Film nun schwebt eine junge Roma übers Hamburger Parkett. Einst glaubten viele bei ihr an eine große Karriere. Sie war die „Gipsy Queen“, sollte der Stolz aller „Zigeuner“ werden, so der Plan ihres Vaters. Doch dann kam alles anders.Sogar damals, als ihr Vater sie verstoßen hatte, gab Ali (Alina Serban) nicht auf, ging noch mal zurück und versuchte, sein Herz zu erweichen. Ein Kampf, den sie verlor. Sie musste gehen. Nach dem Familiendrama zum Einstieg bebildert der Vorspann kunstvoll, was in den folgenden Jahren passierte: Irgendwie hat sie es nach Hamburg geschafft, arbeitet als Putzfrau in einem Nobelhotel und versucht in der WG mit einer Künstlerin (Irina Kurbanova), ihrer Tochter und ihrem Sohn ein schönes Leben zu bereiten, so gut das eben geht. Reizen sollte man Ali nicht. Als ihre Vorgesetzte sie um einen Teil des Lohns betrügt und von oben herab behandelt, geht die junge Rumänin auf sie los. Das soll keinen falschen Eindruck erwecken, im Normalfall ist die alleinerziehende Mutter unauffällig und versucht, durch viel schlecht bezahlte Arbeit den Laden am Laufen zu halten.Regisseur Hüseyin Tabak erzählt in seiner deutsch-österreichischen Koproduktion „Gipsy Queen“ nicht in erster Linie die Geschichte einer Boxerin, sondern die einer Frau. Der Regisseur, der mit dem letzten „Borowski-Tatort“ einen Aufreger inszenierte, setzt auf Authentizität, macht vom ersten Augenblick an seine härtere Gangart klar. Sein Milieu ist stimmig, wirkt im Gegensatz zu vergleichbaren Filmen nicht aufgesetzt. Er inszeniert die Zufälle, die seine Hauptdarstellerin an neue Orte bringen, überzeugend. Und Alina Serban, die nicht von ungefähr den Namen Ali trägt, ist eine großartige Neuentdeckung.Großartiger Tobias MorettiBei ihr ging es nicht nur darum, eine gute Schauspielerin mit Boxhintergrund zu finden. Serban ist Roma, sogar Aktivistin, die sich für die Rechte der Frauen einsetzt. Zudem ist sie Absolventin der Londoner Royal Academy for Dramatic Art und trägt diesen Film ganz locker über fast zwei Stunden Laufzeit. Dass sie selbst Tochter einer alleinerziehenden Mutter ist, mag geholfen haben.Regisseur Tabak will von den Roma erzählen, jenem Volk, das keine Ländergrenzen kennt und auf seine besondere Art für Freiheit steht. Frei fühlt sich seine Ali nur im Boxring. Den findet sie in der berühmten Kiez-Kneipe „Ritze“, wo sie kurz als Aushilfe arbeitet. Der Chef (Tobias Moretti) ist ehemaliger Boxer, der weder eine glorreiche Vergangenheit geschweige denn eine freudige Gegenwart kennt. Er will ihr zunächst ermöglichen zu trainieren. Einige realistische Schlenker später beginnt er sie zu coachen. Dabei gefällt Moretti mit einer großartigen und gleichwohl glaubwürdigen Interpretation seiner Rolle.

So lange „Gipsy Queen“ von der verstoßenen Frau als Kämpferin im Alltag erzählt, stimmt vieles: Die darstellerischen Leistungen - Serban wurde für den Deutschen Filmpreis nominiert - sind durch die Bank überzeugend. Gleiches gilt für das Drehbuch und die Inszenierung. Doch irgendwann im letzten Viertel wird die Geschichte zum Boxfilm. Ab da häufen sich die Impressionen, und man muss plötzlich sogar an „Rocky“ denken, eine Assoziation, die noch in der 90. Minute völlig absurd schien. Leider beginnt der bis dahin packende Film in der letzten Runde zu taumeln, obwohl ihn niemand angeknockt hat. Dennoch: Hüseyin Tabaks Film verdient Lob. Für seine mutige Darstellung einer jungen Roma und dafür, einmal mehr zu zeigen, was für ein großartiges Genre der Boxfilm doch sein kann.

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https://www.swp.de/unterhaltung/kino/_gipsy-queen_-im-kino-interview-mit-tobias-moretti-47265691.html?fbclid=IwAR0xoc8xa09Dt-yB1r1u17pXIYL8nj8XgzA7PQ8l5k88nb_3Pgi-dObLKns

https://www.hz.de/kultur/kultur-ueberregional/_die-figur-hat-mich-angestochen_-47284361.html?fbclid=IwAR3rUZQ7IL2XEbfqf9TsUdvb-qiHk0yYoqMSk0JMeMjwRZEIi7bxdFYbEao


23. Juni 2020, 15:58 Uhr•Hamburg
Von Von Dieter Oßwald

„Gipsy Queen“ im Kino
« Gipsy Queen » au cinéma

Interview mit Tobias Moretti
Interview avec Tobias Moretti

Tobias Moretti spielt in Hüseyin Tabaks Film „Gipsy Queen“ einen abgebrannten Hamburger Boxtrainer. Als nächstes nimmt sich der Tiroler Schauspieler ein musikalisches Genie vor.
Tobias Moretti joue un entraîneur de boxe hambourgeois fauché dans le film "Gipsy Queen" de Hüseyin Tabak. Pour son prochain rôle, l'acteur tyrolien s'attaque à un génie de la musique.

Bekannt wurde Tobias Moretti Mitte der 90er Jahre mit „Kommissar Rex“. Doch man sollte sich von seiner Rolle in der der familienfreundlichen TV-Krimiserie nicht täuschen lassen: Der Tiroler ist ein Schauspieler mit vielen Facetten und – was er schon vielfach bewiesen hat – ein großer Charakterdarsteller. Nach der Literaturverfilmung „Deutschstunde“ vom Vorjahr folgt nun das Boxerdrama „Gipsy Queen“, in dem er den abgebrannten Trainer Tanne spielt. In seiner Heimat gab es dafür den Österreichischen Filmpreis, bei uns folgte aktuell die Nominierung für den Deutschen Schauspielpreis.
Tobias Moretti est devenu célèbre au milieu des années 90 avec "Kommissar Rex". Mais il ne faut pas se laisser tromper par son rôle dans la série policière télévisée destinée aux familles : Le Tyrolien est un acteur aux multiples facettes et - comme il l'a déjà prouvé à maintes reprises - un grand acteur de caractère. Après l'adaptation cinématographique littéraire "Deutschstunde" de l'année dernière, le drame sur la boxe"Gipsy Queen" suit, dans lequel il joue l’entraîneur fauché Tanne. Dans son pays d'origine, il a reçu le prix du film autrichien pour cela, et en Allemagne, il a récemment été nominé pour le prix du film allemand.

Herr Moretti, wie sind Sie in diesen Boxerfilm geraten?
Monsieur Moretti, comment vous êtes-vous retrouvé dans ce film de boxeur?

Tobias Moretti: Die Produktionsfirma Dorfilm ist damals an mich herangetreten, und daraufhin habe ich mich mit dem Regisseur Hüseyn Tabak getroffen und hatte gleich das Gefühl, dass wir gut miteinander arbeiten könnten. Die Figur hat mich angestochen: Sowohl dieses Milieu als auch die Geschichte.
Tobias Moretti : J'ai été approché par la société de production Dorfilm à l'époque, puis j'ai rencontré le réalisateur Hüseyn Tabak et j'ai immédiatement eu le sentiment que nous pouvions bien travailler ensemble. Le personnage m'a vraiment parlé : à la fois ce milieu et l'histoire.

Wie ist Ihr Verhältnis als Österreicher zu Hamburg?
Quelle est votre relation en tant qu'Autrichien avec Hambourg ?

In Deutschland ist Hamburg eigentlich meine Lieblingsstadt. Im Kiez zu arbeiten und für ein paar Wochen die „Ritze“ sein eigen zu nennen, war ein herrliches Gefühl.
En Allemagne, Hambourg est en fait ma ville préférée. Travailler dans le quartier et posséder le "Ritze" pendant quelques semaines a été un sentiment merveilleux.

Haben Sie bislang Erfahrungen im Box-Ring?
Avez-vous de l'expérience sur le ring de boxe jusqu'à présent ?

Selbst habe ich nie geboxt, aber in meiner Kindheit hat man natürlich mit den großen Boxkämpfen und Boxidolen der 70er und 80er mitgefiebert. Da durfte man bis in die Nacht vor dem Fernseher sitzen.
Je n’ai jamais boxé moi-même, mais dans mon enfance, bien sûr, les grands combats de boxe et les idoles de la boxe des années 70 et 80 étaient suivis avec enthousiasme. Là, on pouvait rester assis devant la télévision jusque tard dans la nuit.

Was fasziniert Sie an diesem blondierten ausgebrannten Helden?
Qu'est-ce qui vous fascine chez ce héros blond fauché ?

Er ist ein Gescheiterter, der sich mit einem einzigen Fehltritt sein Leben und seine Karriere versaut hat, in dem aber immer noch das Feuer des Kämpfers brennt. Ob er aus Kalkül oder Gutmütigkeit handelt, weiß man bei ihm nicht – er selber wahrscheinlich auch nicht.
C'est un homme raté qui a ruiné sa vie et sa carrière d'un seul coup, mais dans lequel le feu du combattant brûle encore. On ne sait pas s'il agit par calcul ou par bonté de cœur - il ne le sait probablement pas lui-même.

Benötigen Sie Schnittmengen mit Ihren Figuren? Oder können Sie alles spielen?
Avez-vous besoin de points communs avec vos personnages ? Ou pouvez-vous tout jouer ?

Wenn es irgend einen Ankerpunkt gibt, an dem man ein Stück von sich selbst einhaken kann, ist das schon hilfreich. Ich kann mich hineinversetzen in einen, der wie Tanne ist. Aber bei so einem wie Tanne sieht man, was passiert, wenn man nur einmal falsch abbiegt. Tanne und sein Leben, das ist schon eine ziemliche Schicksalsverbindung.
S’il y a un quelconque point d’ancrage où on peut accrocher une partie de soi-même, c’est utile. Je peux me mettre à l’aise avec quelqu’un qui ressemble à Tanne, mais avec un type comme Tanne, on voit ce qui se passe quand on se trompe une fois. Tanne et sa vie, c'est déjà une relation prédestinée.

Demnächst spielen Sie Ludwig van Beethoven. Wie verkörpert man ein Genie?
Bientôt, vous jouerez Ludwig van Beethoven, comment incarner un génie ?

Beethoven ist einer, der aus seiner Zeit herausgefallen ist, weil er ihr in so vieler Hinsicht so weit voraus war: in seiner Kunst, aber auch in seiner Vorstellung von einer unabhängigen Existenz als Künstler und als gesellschaftliches Wesen. Daraus entsteht nicht nur der Gestus eines Genies, sondern zudem die Verzweiflung und Unleidigkeit eines Mannes, der sich in seiner Welt eigentlich nicht zurecht gefunden hat. Auch eine Welt, die er selber nicht einmal mehr hören konnte.
Beethoven est un homme qui est tombé en désuétude parce qu'il était tellement en avance sur son temps à bien des égards : dans son art, mais aussi dans sa représentation d'une existence indépendante en tant qu'artiste et en tant qu'être social. Ce n’est pas seulement l’état d’esprit d’un génie, c’est aussi le désespoir et l’acharnement d’un homme qui n’a pas trouvé sa place dans son monde. Même un monde qu’il ne pouvait même plus entendre.

Was ist die wichtigste Qualität in Ihrem Beruf?
Quelle est la qualité la plus importante de votre profession?

Neugier, kreative Ungeduld, Begabung, die einem keine andere Wahl lässt, und ein ordentliches Handwerk.
La curiosité, l'impatience créative, le talent qui ne vous laisse pas d'autre choix et un métier manuel correct.

Gibt es eine „perfekte Moretti-Szene“, auf die Sie besonders stolz sind?
Y-a-t-il une « scène de Moretti parfaite », dont vous êtes particulièrement fier ?

Perfektion ist für mich keine künstlerische Kategorie. Es gibt schon Charakterzeichnungen oder Szenen oder Theaterarbeiten, auf die ich, auch mit zeitlichem Abstand, mit Freude und nicht ohne Stolz zurückschaue. „Ottokar“ (Burgtheater 2005) zum Beispiel, oder „Das finstere Tal“. Oder der Showdown von „Das ewige Leben“ mit Joseph Hader. Aber eigentlich ist es immer wieder das Eigenständige eines Moments, wenn man den Film später sieht, ihn sogar schon wieder vergessen hat und plötzlich überrascht ist.
Pour moi, la perfection n'est pas une catégorie artistique. Il y a déjà des dessins de personnages ou des scènes ou des œuvres théâtrales que je regarde avec joie et non sans fierté, même avec un décalage dans le temps. "Ottokar" (Burgtheater 2005) par exemple, ou "Das finstere Tal". Ou l'épreuve de force de "Das ewige Leben" avec Joseph Hader.Mais en réalité, c'est toujours ce moment spécifique où, lorsque vous voyez le film plus tard, vous l'avez déjà même de nouveau oublié et êtes soudainement surpris.

Sie spielten in Brechts „Dreigroschenoper“ – und teilen dessen Leidenschaft für Autos. Was reizt Sie am Rennen?
Vous avez joué dans « L’Opéra de quat’sous » de Brecht et partagez sa passion pour les voitures. Qu’est-ce qui vous fascine dans les courses ?

Mit dieser Leidenschaft für alles, was nach Benzin riecht, sind meine Brüder und ich, glaube ich, schon auf die Welt gekommen, zum Leidwesen unserer Mama. Bei Autos geht’s mir aber nie um Status oder Tempo, sondern um die Ästhetik. Sozusagen die italianità der Form. Deswegen bin ich auch ein Adorant historischer Alfa-Sportwagen, weil sie mich mit ihrem sonoren würzigen Ton in den Alltag katapultieren.
Mes frères et moi, je pense, sommes déjà venus au monde avec cette passion pour tout ce qui sent l'essence, au grand dam de notre mère. Mais pour moi, les voitures ne sont jamais une question de statut ou de vitesse, mais d'esthétique. « L'Italianità » de la forme, pour ainsi dire. C'est pourquoi je suis aussi un adorateur des voitures de sport Alfa historiques, car elles me catapultent dans la vie de tous les jours avec leur ton sonore et épicé.

Was sollte das Publikum aus „Gipsy Queen“ mitnehmen?
Que doit emporter le public de "Gipsy Queen" ?

Sturm is, wenn die Schafe keine Locken mehr haben. (lacht) (*)
La tempête, c'est quand les moutons n'ont plus de boucles. (il rit)

(*) Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr habenWer dieser Herausforderung nicht gewachsen ist, sollte keinen Urlaub an der Nordsee machen.
https://www.nord24.de/der-norden/So-spricht-der-Norden-Diese-7-Redensarten-muesst-ihr-19058.html


Erfolg auf der Bühne und auf der Leinwand
Succès sur la scène et à l’écran

Tobias Moretti wurde 1959 in Tirol geboren. Seine schauspielerische Ausbildung erhielt er an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München, wo er auch längere Zeit zum Ensemble des Residenztheaters und der Kammerspiele gehörte. Auch im Wiener Akademietheater und bei den Salzburger Festspielen (unter anderem als Jedermann) stand Moretti auf der Bühne.
Tobias Moretti est né au Tyrol en 1959. Il a fait sa formation d'acteur à l’école de spectacle Otto-Falckenbergde Munich, où il a également fait partie pendant longtemps de l'ensemble du Residenztheater et du Kammerspiele. Moretti se produit également sur scène à l'Akademietheater de Vienne et au Festival de Salzbourg (entre autres dans le rôle de Jedermann).

Auf der Leinwand reicht sein Spektrum von Til Schweigers „1 1/2 Ritter“ über den Heimatkrimi „Das finstere Tal“ bis zu „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“. Für Aufregung auf der Berlinale sorgte 2010 „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ von Oskar Roehler, bei dem Moretti den Hauptdarsteller des Propagandafilms verkörperte.
À l'écran, l’éventail de ses rôles s'étend de "1 12 Ritter" de Til Schweiger au thriller "Das finstere Tal" et "Mackie Messer – le film de quat’sous de Brecht". Le film d'Oskar Roehler "Jud Süß - Film ohne Gewissen" (Jud Süß - Film sans conscience), dans lequel Moretti joue l'acteur principal du film de propagande, a fait sensation à la Berlinale en 2010.

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Interview (Audio) von Tobias auf deustschlandfunknova.de

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/wer-traut-sich-rein-kino-is-back?fbclid=IwAR1ds2bWB-81qviYtUviFvFa0Wi43DH_cSLwLs66krcjr9lwKF18gG55khc

(Tobias zu hören ab 11'40")

Wir beschäftigen uns in dieser Ausgabe mit dem Thema "Kino in Coronazeiten" und sprechen darüber unter anderen mit Tobias Moretti. Der ist ab dieser Woche mit dem Kietz-Drama "Gypsy Queen" neu im Kino zu sehen. Es geht um die rumänische Boxerin Ali, die schwanger und gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter aus ihrer Heimat nach Hamburg flieht. Dort kommt sie als Putzkraft in der "Ritze" unter, der berühmten Kneipe mit Boxkeller auf St. Pauli. Der runtergekommene Laden gehört im Film "Tanne" – gespielt von Tobias Moretti. Er erkennt Alis Talent und will sie trainieren.
Dans ce numéro, nous abordons le sujet du "cinéma en temps de Corona" et en parlons avec Tobias Moretti, entre autres. A partir de cette semaine, on peut le voir au cinéma avec le drame de Kietz "Gipsy Queen". Il y est question de la boxeuse Rom Ali, qui est enceinte et qui fuit son pays d'origine pour Hambourg avec sa petite fille. Elle y travaille comme femme de ménage au "Ritze", le célèbre pub avec sa cave aménagée en ring de boxe de St. Pauli. La boutique délabrée appartient dans le film à "Tanne" - joué par Tobias Moretti. Il reconnaît le talent d'Ali et veut l'entraîner.


Teil mit Tobias auf dem Blog zu hören :
https://static.blog4ever.com/2008/10/250815/Interview-Tobias-Gipsy-Queen---Kino-is-back--.mp3?fbclid=IwAR1dOCRPFjJhZnj1hRP0d4Sqbkzk66nbvG0qWMOMY00yPoAcr61rEf1P0aw?


Tom Westerholt:
Ich habe mich auf jeden Fall gefreut über das Angebot, mit Hauptdarsteller Tobias Moretti sprechen zu können. Per Zoom haben wir das gemacht. Ich bei mir zu Hause, er bei sich auf seinem Bauernhof in Österreich. Und genau das hört ihr genau gleich, genau hier.
En tout cas, j'ai été ravi de la proposition de pouvoir parler à l'acteur principal Tobias Moretti. Nous l'avons fait par le biais de Zoom. Moi chez moi, lui dans sa ferme en Autriche. Et ainsi, vous l‘entendez tout de suite, ici même.

(Deutschlandfunk Nova 1 Stunde Film)

Ich habe gerade eben nochmal nachgeschaut. Es ist tatsächlich 6 Jahre her, dass ich ihn das letzte Mal getroffen habe. Insofern wird es allerhöchste Zeit für ein Wiedersehen und ich freue mich sehr, dass es mit dem tollen Film Gipsy Queen jetzt endlich klappt, ihn wieder zu treffen. Tobias Moretti ich grüße dich. Hallo!
Je viens de vérifier encore une fois. En fait, la dernière fois que je l‘ai rencontré, c‘était il y a six ans. Il est donc grand temps de se retrouver et je suis très heureux qu'avec le grand film Gipsy Queen, il soit enfin possible de le rencontrer à nouveau. Tobias Moretti, je te salue. Bonjour !

Tobias:
Hallo, hallo, liebe Grüße
Bonjour, bonjour, meilleures salutations.

Tom Westerholt:
Ja, wir haben eben schon ein bisschen rum gescherzt – 2014 Das Finstere Tal – 6 Jahre her. Wir haben beide erstaunlicher Weise noch ein klein wenig vielleicht jünger ausgesehen. Und sowieso war alles besser. Es gab kein Corona. Deshalb die Einstiegsfrage: „Wie geht es dir?“
Oui, nous avons juste un peu plaisanté - 2014 Das finstere Tal (la vallée sombre) - il y a 6 ans. Nous avions peut-être tous les deux l'air un peu plus jeunes, de façon assez étonnante. Et de toute façon, tout était mieux. Il n'y avait pas de Corona. D'où la question initiale "Comment vas-tu“?

Tobias:
Ja sehr gut eigentlich, wenn man das so sagen darf. Wir mussten ja damals wegen dieser Pandemie, wegen Corona unseren schwedisch-deutschen Film abbrechen, den wir mit der Wüstefilm.gemacht haben. Rick Ostermann hat das gemacht, da es schon in Planung war. Und ich in Schweden. Und da war plötzlich Abbruch und alles. Es gab so einen Shutdown. Ja und dann waren wir zu Hause. Und jetzt bin ich wieder hier und alles fährt wieder hoch.
Oui, très bien en fait, si l'on peut dire cela ainsi. À l'époque, nous avons dû arrêter notre film germano-suédois, que nous avons fait avec Wüstefilm, à cause de cette pandémie, à cause du Corona. Rick Ostermann l'a fait parce qu'il était déjà en phase de planification. Et j'étais en Suède. Et soudain, il y a eu l‘annulation et tout. Il y a eu le confinement. Oui, et puis nous étions à la maison. Et maintenant, je suis de nouveau ici et tout repart.

Tom Westerholt:
Langsam geht es endlich wieder weiter. Hast du die letzten drei Monate, sagen wir mal zweieinhalb bis drei Monate. Wie hast du sie erlebt als Schauspieler? Es ging gar nichts mehr oder?
Lentement, ça repart enfin . As-tu les trois derniers mois, disons deux mois et demi à trois mois. Comment l'as-tu vécu en tant qu'acteur ? Il ne se passait rien, n'est-ce pas ?

Tobias:
Ja, allerdings was die Vorbereitung betrifft, hat sich bei mir eigentlich nicht so viel verändert. Es hat sich einfach alles verschoben sagen wir mal so. Und bei uns ist es halt ein bisschen anders gewesen. Einerseits war es halt in Österreich auch viel drastischer, noch resprektiver. Einerseits so wie ich wohne. Jedenfalls als Lebensmittelproduzent bin ich da auch freier unterwegs gewesen und war nicht so gebunden. Durch das, dass wir aus dem Hause können oder direkt am Haus auch arbeiten. Bei mir hat sich einfach das alles verlagert. Und die ersten zwei, drei Monate war halt einfach nur Landwirtschaft angesagt und jetzt geht es wieder los. Ja, ich habe das Gefühl gehabt, dass das für manche schon eine gewisse Katharsis war.
Oui, mais en ce qui concerne la préparation, peu de choses ont en fait changé pour moi. Cela a simplement été retardé, disons le comme ça. Et chez nous, c'était juste un peu différent. D'une part, c‘était beaucoup plus drastique et encore plus respectueux en Autriche. D'une part, la façon dont je vis. Quoi qu’il en soit, en tant que producteur de denrées alimentaires, j‘étais plus libre de bouger et moins lié. Du fait que nous pouvons quitter la maison ou travailler directement à la maison. Chez moi, tout a simplement changé. Les deux ou trois premiers mois, il s'agissait juste d'agriculture et maintenant, ça repart. Oui, j'ai eu le sentiment que pour certaines personnes, c'était déjà une certaine catharsis.

Tom Westerholt:
Hm, mit Sicherheit. Auch was so Lebens- und Arbeitsgeschwindigkeit angeht. Das habe ich viel festgestellt. Dass sich die Leute mal alle ein bisschen besonnen haben, nicht mit Vollgas durch das Leben zu rennen.
Hm, c'est sûr. En termes de rythme de vie et de travail. Je l'ai souvent remarqué. Que les gens se sont un peu calmés, pour ne pas traverser la vie à plein régime.

Tobias:
Ja. Aber die, die absolut beschissen dran waren, waren die Kollegen am Theater – ich bin ja selber einer – die ausschließlich Theater machen. Denn da war es auf Null gefahren plötzlich. Und standen da plötzlich in einem Vakuum des Daseins.
Oui, mais ceux qui étaient absolument dans la merde étaient les collègues du théâtre - j'en suis un moi-même - qui ne font que du théâtre. Parce que tout à coup, c'est tombé à zéro. Et se trouvaient là tout à coup dans un vide de l'existence.

Tom Westerholt:
Ja hast du als jemand, der dem Theater sehr verpflichtet ist seit vielen Jahren, eine Idee? Gibt es da Pläne wie es weiter geht? Wir kennen das vom Kino. Die sollen wieder aufgemacht werden. Jetzt aber, es dürfen nur begrenzt wenig Leute rein. Die Kinos überlegen, lohnt es sich dann überhaupt aufzumachen? Ist das bei den Theatern ähnlich gerade?
Oui, en tant que personne très engagée dans le théâtre depuis de nombreuses années,, as-tu une idée ? Est-ce qu’il y a des projets pour la suite ? On a vu ça au cinéma, on veut les rouvrir, Mais aujourd'hui, seul un nombre limité de personnes est autorisé à entrer.. Les cinémas réfléchissent, cela vaut-il la peine d’ouvrir ? Est-ce la même chose pour les théâtres ?

Tobias:
Ja, da ist es ähnlich. Momentan sieht es so aus, dass wir sozusagen ein Platz immer frei sein muss. Und wie das genau gehandhabt wird mit Maske oder so, das wissen die alle selber noch nicht. Es kann aber auch sein, dass jetzt alles fällt. Wir im Jetzt, weil wir ja dieses Jahr 100 Jahre Jedermann haben, der ich ja bin, wir haben statt 2.500 Leute am Domplatz 1.250, also die Hälfte drin. Das mutet so relativ noch viel an. Aber wenn man sich jetzt kleinere Theater vorstellt mit 500 oder 600 Leuten, das sind dann nur noch 300, das ist dann schon schwierig. Das gebärdet sich dann nur über Subventionen. Und auch über den Willen Kultur zu erhalten als wirkliches Gegenüber.
Oui, c'est pareil. Pour le moment, il semble que nous devons pour ainsi dire toujours laisser une place libre. Et comment exactement cela est géré avec un masque ou quelque chose, tous ne le savent pas encore eux-mêmes. Mais il se peut aussi que tout tombe maintenant. Nous, maintenant, parce que cette année, nous avons les 100 ans de Jedermann, que j‘interprète, au lieu de 2 500 personnes sur la Place de la Cathédrale, nous en avons 1 250, la moitié d'entre elles. Cela semble encore beaucoup. Mais si on se représente maintenant des théâtres plus petits avec 500 ou 600 personnes, il n‘en reste que 300, c'est alors déjà difficile. Cela n'est possible que grâce à des subventions. Et aussi sur la volonté de préserver la culture comme véritable contrepartie.

Tom Westerholt:
Ja absolut. Weil ansonsten die Betriebskosten eines Theaters sozusagen um ein Weites übersteigen, was an Ticketverkäufen herein kommt. Und dann wird es schwierig für die Theater, das ist ganz richtig.
Oui, absolument. Car sinon, les coûts d'exploitation d'un théâtre dépassent de loin les ventes de billets, pour ainsi dire. Et alors cela devient difficile pour les théâtres, c'est tout à fait vrai.

Tobias:
Ja und wenn wir überhaupt Kultur als Spiegel unserer Gesellschaft verlieren, dann sind wir sofort im Trump-Country.
Oui, et si nous perdons la culture en tant que miroir de notre société, alors nous sommes immédiatement au pays de Trump..

Tom Westerholt:
Ja, absolut. Da bin ich ganz bei dir. Ich würde dich gerne konfrontieren mit einem Wort, von dem ich weiß, dass viele Schauspieler es gar nicht besonders gerne hören. Aber, großes Aber! Wenn ich mir Tobias Moretti vorstelle als abgehalfterten Kneipenwirt. In einer berühmten Kneipe auf St. Pauli. Der dann auch noch ehemaliger Boxer sein darf. Und jetzt Boxtrainer. Dann muss ich das irgendwie mit diesem Wort „Traumrolle“ verbinden. Trifft das halbwegs den Nagel auf den Kopf?
Oui, absolument. Je suis tout à fait d‘accord avec toi. J'aimerais te confronter à un mot que je sais que beaucoup d'acteurs n'aiment pas particulièrement entendre. Mais, grand Mais ! Quand j'imagine Tobias Moretti comme un patron de bar délabré. Dans un célèbre pub de St. Pauli. Qui est aussi un ancien boxeur. Et maintenant un entraîneur de boxe. Je dois ensuite faire le lien avec le mot "rôle de rêve". Cela fait-il mouche à moitié ?

Tobias:Ja ja, das war es auch. (Tom Westerholt lacht) Vor allem währenddessen schon. Und im Nachhinein sowieso. Also am Anfang, als die an der Rolle herum gebastelt haben und ich mir die nur so vorstellen habe können, aber ich noch nicht gewusst habe, ob das auch funktioniert. Auch mit dem Dialekt und dem Einzusteigen überhaupt in diese Figur, da war noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten dem Regisseur gegenüber, auch dem Produzenten. Weil die halt immer meinen, ja wenn man das halt nicht richtig kann, oder nicht von dort ist, dann denken die halt auch immer an so Schablonen, wer das so hätte spielen können oder so. Und ja, das gehört dann auch irgendwie zu den Hausaufgaben des Schauspielers, dass man da halt auch eintaucht. Auch in der Musik der Sprache. Und ich liebe das Hamburgerische, überhaupt das Nordische sehr. Ich liebe überhaupt Dialekte, weil sie einfach die authentischste Form sind von Kommunikation. Und das fällt mir als Schauspieler eigentlich viel leichter, über eine Färbung, über einen Dialekt, über die Nuancen, die Feineinstellung so einer Rolle zu definieren. Und in dem Fall war es sowieso ein kleiner besonderer Film. Hüseyin Tabak hat den wirklich mit sehr viel Liebe und Einsatz gemacht und sich ein paar Wochen als Besitzer der Ritze zu fühlen war einfach klasse.
Oui, oui, c'était le cas. aussi (Tom Westerholt rit) Surtout pendant cette période. Et en rétrospective, en tout cas. Donc au début, quand ils ont bricolé le rôle et que je ne pouvais que l'imaginer, mais je ne savais pas si ça allait marcher. Même avec le dialecte et l'entrée dans ce personnage en général, il y avait encore du travail de persuasion à faire pour convaincre le réalisateur, également le producteur. Parce qu'ils pensent toujours que si on ne peut pas le faire correctement ou si on n‘est pas de là-bas, alors ils pensent toujours à de tels modèles, à qui aurait pu jouer de cette façon ou quelque chose comme ça.Et oui, c'est en quelque sorte une partie des devoirs de l'acteur de s‘y plonger. Aussi dans la musique du langage. Et j'aime beaucoup le hambourgeois et surtout celui du Nord. J'aime les dialectes parce qu'ils sont tout simplement la forme de communication la plus authentique. Et en tant qu'acteur, il est en fait beaucoup plus facile pour moi de définir la mise au point d'un tel rôle au travers d‘une coloration, d‘un dialecte, de nuances. Et dans ce cas, c'était de toute façon un petit film particulier. Hüseyin Tabak l'a vraiment fait avec beaucoup d'amour et d'efforts et se sentir propriétaire du Ritze pendant quelques semaines, c‘était tout simplement génial.

Tom Westerholt lacht/rit:
Ja ich finde das spannend, was du gerade gesagt hast. Das würde ja bedeuten, dass du über den Dialekt dich auch als regionale Zuordnung der Figur herstellst. Na also, der Hamburger der du bist, entsteht dann auch durch den Dialekt. Richtig?
Oui, je trouve cela passionnant, ce que tu viens de dire. Cela voudrait dire que tu t‘identifies à un personnage régional par le biais du dialecte. Donc, le hambourgeois que tu es, naît alors aussi au travers du dialecte. Correct?

Tobias:
Auch, ja klar. Aber klarerweise auch mit dem Eintauchen in diese gegenwärtige Situation. Da muss man halt auch vor Ort sein. Man kann sich nicht vorstellen ohne dass man nicht dort auch irgendwie lebt. Ich war da, in der Nähe habe ich mich sofort einquartiert. Und war da immer sofort der beste Freund von allen. Beschissen….ja, da hat man es als Schauspieler natürlich leichter, weil die einen dann eher rein lassen in ihre Welt. Aber die haben dann gleich gemerkt, ob man das nur so als Garnierung sieht, oder ob man das wirklich möchte. Und es hat einfach unglaublich Freude gemacht dort sich einzufinden und dort zu leben, zu sein. Also am Anfang war es gewöhnungsbedürftig. Denn wenn man sich so St. Pauli vorstellt, Dieses St. Pauli hat ja auch immer so einen touristischen Touch. Aber die Morgenstunden, wenn wir zu drehen begonnen haben um 7 Uhr und dann kommt man mal in so einen richtig verpissten angekotzten Zwischengang, weil die Leute sich da alle nieder knallen um 4 Uhr morgens und bevor dann das Putzpersonal kommt, sind wir dann dran. Das ist schon irgendwie gewöhnungsbedürftig. Gehört aber auch dazu. Das ist irgendwie, das ist der Smog dieser Figur auch gewesen finde ich.
Oui, bien sûr, mais il est clair qu’il faut aussi se plonger dans la situation actuelle. On doit juste être sur place. On ne peut pas imaginer cela sans y vivre en quelque sorte, j’y étais, je m’y suis mis tout de suite. J'étais là, j'ai immédiatement emménagé dans le quartier. Et j‘ai toujours été tout de suite le meilleur ami de tout le monde, putain…. C’est plus facile en tant qu‘acteur parce qu’ils vous laissent entrer dans leur monde. Mais ils ont alors tout de suite remarqué si on envisageait cela de façon superficielle ou si on le voulait vraiment. Et c’était incroyablement agréable de se retrouver là et d’y vivre, d’y être. Donc, au début, il fallait s‘y habituer. Car quand on se représente ainsi St Pauli, ce St Pauli a aussi une telle touche touristique. Mais le matin, quand on commence à tourner à 7 h, on arrive à un passage vraiment dégueulasse, parce que les gens se flinguent à 4 h du matin, et avant que le personnel de nettoyage arrive, c’est notre tour. Il faut un peu de temps pour s'y habituer. Mais cela en fait partie. C'est en quelque sorte, c'est aussi le flou de ce personnage, je trouve.

Tom Westerholt:
Ja, ich habe mich gefragt, dadurch dass auch viele Szenen von Tanne in der Ritze spielen, hatte das durch die Enge, in der das war, schon fast sowas kammerspielartiges? Wie so ein Zimmertheater auch?
Oui, je me suis demandé, du fait que beaucoup de scènes de Tanne se jouent dans le Ritze, si l‘étroitesse dans lesquelles elles se déroulaient n‘avaient pas déjà quelque chose s‘apparentant à une pièce de théâtre intime ? Comme un théâtre de poche aussi ?

Tobias:
Ja, ja, das war so. In jedem Fall. Wir waren ja die meiste Zeit – ich und die Figur sowieso – in diesem Boxraum, in diesem kleinen, den es ja wirklich gibt. Der auch genau dort seine Geschichte hat. Früher in der Ritze, da waren genau da die Boxkämpfe. Unten war die Bar, oben waren die Boxkämpfe. Rene Weller, alle, die haben dort alle geboxt und dazwischen hat es mal wieder ein, zwei Leute gegeben, die man abgestochen hat. Dann war wieder ein Skandal. Oder irgendwer hat wieder wen erschossen. Also das war eine sehr anrüchige und auch eine andere Realität dort. Und davon lebt auch diese Ritze noch, obwohl es jetzt nicht mehr so ist. Aber ähnlich wie Pigalle in Paris oder so. Aber jedenfalls dieser Schweiß, dieser kleine Kosmos da drin in dieser Ritze, der war mein Alltag. Und das war auch wie ein Kammerspiel, weil sich da alles fokussiert hat. Sowohl die Auseinandersetzung oder die Arbeit mit dem Regisseur als auch das Dazwischen. Das war nicht mehr zu trennen.
Oui, oui, c'était ainsi. En tout cas. La plupart du temps, nous étions - moi et le personnage en quelque sorte - dans cette salle de boxe, dans cette petite salle qui existe vraiment. Qui a aussi son histoire juste là. Auparavant au Ritze, c'est là que les combats avaient lieu. En bas, il y avait le bar, en haut, les matchs de boxe. Rene Weller, tous, ils ont tous boxé là et entre les deux, il y a eu une ou deux personnes qui ont été poignardées. Puis il y a eu un autre scandale. Ou bien quelqu'un a tiré sur quelqu'un d'autre. C'était donc une réalité très peu recommandable, et c'était aussi une réalité différente.Et c‘est pourquoi ce Ritz vit encore aussi , même si ce n'est plus ainsi maintenant. Mais c‘est pareil à Pigalle à Paris . Mais au moins cette sueur, ce petit cosmos là-dedans dans ce Ritze, c'était ma vie quotidienne. Et c'était comme un jeu de chambre car tout était concentré là-bas. L'engagement ou le travail avec le réalisateur ainsi que l'entre-deux. C'était inséparable.

Tom Westerholt:
Ich habe mich gefragt, inwiefern du dich auch mit dem Thema Boxsport beschäftigt hast, weil es eine andere Szene gibt, die ich ganz toll finde. Auch von Hüseyin Tabak ganz toll inszeniert. Das ist die erste Szene, in der Ali unten im Keller trainiert. Tanne sieht sie nicht. Aber wir sehen Tanne, wie er sie trainieren hört. Und hinterher stellt sich heraus. Nur aufgrund dessen was er gehört hat, wie sie den Boxsack bearbeitet, erkennt er ihr Talent.
Je me demandais dans quelle mesure tu étais aussi impliqué dans la boxe, car il y a une autre scène que je trouve vraiment géniale. Mise en scène aussi de façon super par Hüseyin Tabak. C'est la première scène où Ali s'entraîne au sous-sol. Tanne ne la voit pas. Mais nous voyons Tanne, quand il l‘entend s‘entraîner. Et après, c‘est évident. Ce n'est que grâce à ce qu'il a entendu, à la façon dont elle travaille le punching-ball, qu'il reconnaît son talent.

Tobias:
Das ist eine sehr schöne Szene. Stimmt wirklich. Ich weiß gar nicht mehr, wie die entstanden ist. Ob das so im Drehbuch stand. Ich weiß es nicht. Doch ich glaube, das war schon so geschrieben von Tabak und auch so gewollt. Herrlich, eigentlich. Man sagt immer, viele hören nicht mehr. Über das Hören sieht man. So ist es auch da. Und er ist ja so in einer Welt versunken, völlig niedergesoffen, völlig verkatert. Wenn er das hört, denkt man sich, wacht er auf? Überholt ihn seine eigene Biografie. Und du merkst, es ist ja immer so, Leute, die was können, die was Besonderes geleistet haben in ihrem Leben und vielleicht nicht mehr fähig sind, das auszuüben. Ob das jetzt in der Kunst so ist. In der Musik so ist. Aber die mal schon irgendwie „so gekratzt haben“ am Genius bestimmter Dinge, die erwachen da sofort. Und das ist irgendwie beim Tanne so der Fall gewesen. Weil der war wirklich so, also in der Geschichte, jedenfalls ein großes Talent. Und Boxsport ansich habe ich eigentlich sehr sehr gemocht und ich finde es sehr traurig, dass der Boxsport jetzt so überholt wird von so MMA-Sachen (Mixed Martial Arts). Denn der Boxsport hat irgendwie was mit Musikalität zu tun. Der hat nicht nur mit Brutalität zu tun. Der hat eine ganz eigene Atmosphäre. C'est une très belle scène. Vraiment exact. Je ne me souviens même pas comment elle est arrivée.
Si c'était dans le scénario. Je ne le sais pas. Mais je crois que c‘était déjà écrit ainsi par Tabak et voulu aussi ainsi. Merveilleux, en fait. On dit que beaucoup de gens n'écoutent plus. En écoutant, on peut voir. C'est la même chose ici. Et il est tellement perdu dans son monde, complètement ivre, avec la gueule de bois. Quand il entend cela, on se dit, va-t-il se réveiller ? Sa propre biographie le dépasse. Et tu remarques que c'est toujours comme ça. Les gens qui peuvent faire quelque chose, qui ont réalisé quelque chose de spécial dans leur vie et qui ne sont peut-être plus capables de le faire. Que ce soit maintenant ainsi dans l'art . En musique, c'est comme ça. Mais ceux qui ont en quelque sorte "gratté" le génie de certaines choses se réveillent immédiatement. Et c'est en quelque sorte le cas de Tanne. Parce qu'il était vraiment comme ça, donc dans l'histoire du moins, un grand talent. Et j'aimais vraiment beaucoup la boxe et je pense qu'il est très triste que la boxe ait été dépassée par ces trucs de MMA (Mixed Martial Arts). Parce que la boxe a quelque chose à voir avec la musicalité. Il ne s'agit pas seulement de brutalité. Elle a une atmosphère tout à fait particulière.

Tom Westerholt:
Ja wir könnten das jetzt übertragen auf unsere Situation jetzt gerade. Wir quatschen über Zomm, über eine Videokonferenz. Wie man es im Augenblick macht. Wenn ich ganz ehrlich sein darf, bin ich froh, die Gelegenheit mit dir reden zu können, auch auf diese Art. Aber schöner wäre es natürlich, wir könnten irgendwo gemeinsam an einem Tisch sitzen. Wie wir sonst die Interviews gemacht haben. Wie geht das weiter in nächster Zeit? Glaubst du, das wir unsere gesamte Branche, die Filmbranche weiterhin begleiten, dass Dinge nur über eine gewisse Distanz gehen: Du sagst, du fängst jetzt auch wieder an zu Drehen oder zu Proben. Auf jeden Fall geht die Arbeit weiter bei dir? Was genau ist es im Augenblick?
Oui, nous pourrions appliquer cela à notre situation actuelle. Nous parlons au travers de Zoom, par vidéo-conférence. Comme nous le faisons en ce moment. Si je peux être tout à fait honnête, je suis heureux d'avoir eu l‘occasion de pouvoir parler avec toi, même de cette façon. Mais ce serait plus agréable si nous pouvions nous asseoir ensemble à une table quelque part. Comme nous avions l'habitude de faire les interviews. Comment cela va-t-il se passer dans un avenir proche ? Penses-tu que nous continuerons à accompagner toute notre industrie, l'industrie cinématographique, que les choses ne se feront que sur une certaine distance : Tu dis que tu recommences à tourner ou à répéter. En tout cas, le travail reprend pour toi ? De quoi s'agit-il exactement en ce moment ?

Tobias:
Also wenn ich noch kurz dazu noch was sagen darf. Wenn es so um eine dokumentarische Wahrheit geht, wie das Hier und Jetzt, was wir jetzt miteinander zu tun haben, finde ich das ganz wunderbar. Dass es diese Gelegenheit gibt. Dass wir uns sehen. Dass jeder in seiner Konzentration hier eine Konversation führen können. Da ist eigentlich die Situation oder diese mediale Möglichkeit eigentlich nur hilfreich. Aber in vielen Dingen, wo es einfach um den Menschen geht, um eine Umsetzung, um Kunst geht, um den direkten Zauber, sagen wir mal so, ist es einfach wichtig, dass es immer am Menschen dran bleibt.
Donc, si je peux encore juste brièvement dire quelque chose. Quand il s'agit d'une vérité documentaire comme ici et maintenant, ce que nous devons faire les uns avec les autres maintenant, je trouve cela tout à fait merveilleux. Qu'il y ait cette opportunité. Que nous nous voyons. Que chacun, dans son propre environnement puisse avoir une conversation. La situation ou cette opportunité médiatique n'est en fait qu‘utile. Mais dans beaucoup de choses où il ne s'agit que de personnes, d‘une mise en oeuvre, d'art, de magie directe, disons-le de cette façon, il est simplement important que cela reste toujours avec les hommes.

Tom Westerholt:
Was heißt das jetzt für dich in den nächsten Tagen? Du arbeitest wieder. Woran? Womit geht es weiter jetzt gerade?
Qu'est-ce que cela signifie pour toi dans les prochains jours ? Tu vas reprendre le travail. Travailler sur quoi ? Que se passe-t-il en ce moment ?

Tobias:
Bei uns geht es jetzt ziemlich straff voran. Also jetzt habe ich diese Woche noch hier in der Landwirtschaft, dann habe ich zwei, drei Wochen noch so Vorbereitungen und frei. Vielleicht fahre ich auch nochmal weg. Denn wir können jetzt wieder überall hinfahren. Und dann geht es bei mir in Salzburg los. 100Jähriger Jedermann, das findet ja statt. Wir haben sogar mehr Vorstellungen als sonst. Und das wird gehen bis August.
Chez nous, les choses se sont plutôt bien passées. J'ai donc encore cette semaine ici dans l'agriculture, puis j'ai deux ou trois semaines de préparation et de temps libre. Peut-être que je vais repartir. Parce que maintenant, nous pouvons de nouveau aller partout. Et puis ça repart pour moi, à Salzbourg. Les 100 ans de Jedermann, qui ont lieu. Nous avons même plus de représentations que d'habitude. Et cela se poursuivra jusqu'en août.

Tom Westerholt:
Und da werdet ihr auch auf der Bühne miteinander arbeiten?
Et là, vous allez aussi travailler ensemble sur la scène?

Tobias:
Ja. Ja klar. Ich nehme an, wir gehen so was – also jeder wird einen Test machen müssen und dann gehen wir an die Arbeit. Und dann werden wir vielleicht auch da nicht große Sprünge machen dass wir wieder in Gasthäuser gehen. Wir bleiben da halt mit gewisser Konzentration dran. Denn das wäre ja blöd, wenn man jetzt so tut, als wenn es das alles nicht gegeben hätte. Das wäre ja auch ein gesellschaftspolitischer Wahnsinn. Ja und danach gibt es direkt, da sind wir jetzt auch dran. Wir arbeiten an einem sehr spannenden Projekt, einen Zweiteiler. Wir haben ja den Prohaska gewinnen können vom Finsteren Tal. Dem ein Film in England nicht geklappt hat. Und jetzt ist er da eingestiegen und das wird glaube ich, eine sehr sehr spannende Arbeit. Und die dauert dann bis Oktober/Ende Oktober. Ende Oktober werden wir dann gleich unseren schwedischen Film, den wir abgebrochen haben, den Wüste-Film eine Hamburger Produktion zu Ende bringen. Und dann weiß ich noch nicht. (Tom Westerholt lacht) Dann ist schon wieder fast Weihnachten.
Oui. Oui, bien sûr. Je suppose que nous allons procéder ainsi - tout le monde devra passer un test et ensuite nous nous mettrons au travail. Et puis peut-être que nous ne ferons pas un si grand saut pour retourner dans les auberges. Nous allons juste rester là-dessus avec une certaine concentration. Parce qu'il serait stupide de prétendre que rien de tout cela n'est jamais arrivé. Ce serait aussi de la folie socio-politique. Oui, et puis directement, parce que nous sommes maintenant aussi sur le coup. Nous travaillons sur un projet très passionnant, en deux parties. Nous avons gagné Prohaska de „das finstere Tal“. Pour qui un film en Angleterre n'a pas fonctionné. Et maintenant, il s'y est mis et je pense que ce sera un travail très passionnant. Et cela durera jusqu'à la fin du mois d'octobre. Fin octobre, nous terminerons notre film suédois, que nous avons interrompu, le film Wüste, une production de Hambourg. Et puis je ne sais pas encore. (Tom Westerholt rit) Puis c'est à nouveau presque Noël.

Tom Westerholt:
Ich wollte grade sagen. Das klingt aber bis dahin nach Vollbeschäftigung, die ich dir von Herzen gönne.
Je voulais justement le dire. Cela ressemble à du plein emploi, ce que je t‘accorde du fond du coeur.

Tobias:
Danke
Merci.

Tom Westerholt:
In Salzburg ist er der JEDERMANN. In Gipsy Queen ist er der Tanne. (Tobias lacht) Startet jetzt am 25. Juni im Kino. Ich drücke euch alle Daumen, dass das einfach gut funktioniert. Dass es die Möglichkeit gibt, für die Leute, gut ins Kino zu gehen. Dass es alles langsam mal ein bisschen weiter gehen kann. Und vor allem danke ich dir, lieber Tobias ganz herzlich für das schöne Gespräch am frühen Morgen. Vielen Dank.
A Salzbourg, il est JEDERMANN. Dans Gipsy Queen, il est Tanne (Tobias rit) . Cela démarre maintenant le 25 Juin au cinéma. Je croise les doigts pour que cela fonctionne simplement bien. Qu‘il y ait la possibilité pour les gens, d‘aller au cinéma. Que tout puisse lentement un peu repartir. Et avant tout, je te remercie, cher Tobias, tout à fait chaleureusement pour cette belle conversation de bon matin. Merci beaucoup.

Tobias:
Ja ich danke auch sehr herzlich. Liebe Grüße und viel Freude mit dem Film.
Oui, je remercie aussi très chaleureusement. Meilleures salutations et beaucoup de plaisir avec le film.

Tom Westerholt:
Danke schön.
Merci beaucoup.

Tobias:
Salut
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